OSTERN IST ALLES ANDERE ALS JÖÖ

Eine österliche Alternativwerbung mit Auferstehungscharakter

Über originelle Werbeeinfälle kann ich manchmal herzhaft lachen. Der diesjährige Osterslogan der Migros gehört allerdings nicht dazu. Die umwerfende Botschaft lautet: «Ostern wird Jöö». Als treuer Kunde und bekennender Osterliebhaber bin ich konsterniert. Banaler geht’s nicht. Auch ein markt- und gewinnorientiertes Unternehmen könnte sich meines Erachtens zum zentralen Fest der Christenheit etwas Gehaltvolleres einfallen lassen.
Beispielsweise im Sinn von Alt-Nationalrat Roland Wiederkehr, der sich leidenschaftlich für weniger Verkehrstote und mehr Opferhilfe engagiert. Und mit seinem Einsatz massgeblich dazu beigetragen hat, dass die Anzahl tödlicher Verkehrsunfälle in der Schweiz innert dreissig Jahren von 1034 auf 200 zurückgegangen ist.
Neuerdings setzt sich Wiederkehr im  Rahmen des indischen Hilfswerks «Jaipur Foot» für Kinder, Jugendliche und Erwachsene ein, die bei Verkehrs- oder anderen Unfällen ein Bein verloren und keine Aussicht haben, je wieder gehen zu können. Ausser man hilft ihnen wieder auf die Beine in Form einer geh- und klettertauglichen Prothese, die eigens zu diesem Zweck entwickelt wurde und lediglich 100 Franken kostet. Ein wahrhaft österliches Unternehmen, das im eigentlichen Sinn des Wortes Auferstehung ermöglicht. Mehr dazu findet sich unter http://www.carecross.org. Die unterstützungswürdige Kontonummer mit rotem Einzahlungsschein lautet: Care Cross Stiftung für Gesundheit und Umwelt, 8904 Aesch (ZH), CH67 0900 0000 8917 3322 9.
Ostern ist weder Judihui noch Jöö, kein zuckersüsses Schoggiversprechen. Ostern schafft Hoffnung, wo alles aussichtslos erscheint. In diesem Sinne freue ich mich auf die bevorstehenden Festtage je länger, desto möö.

Frohe Ostern allerseits wünscht Urs Boller
(Urs Boller ist ehem. ref. Pfarrer aus dem Zürcher Säuliamt; der Text erschien vor Ostern im Anzeiger Bezirk Affoltern)

 

Nachricht aus Kambodscha

„Ich habe im Radio von den ’neuen Beinen‘ gehört. Ich lebe meist in Kambodscha, und da ist die Anzahl der Verkehrsopfer verheerend. Busfahrer von Passagierbussen sind von ihren Arbeitgebern angehalten, sofort die Flucht zu ergreifen und den Bus stehen zu lassen, wenn sie jemanden an-/überfahren. So geschehen, als zwei Deutsche Bekannte von mir von Kampot nach Phnom Penh unterwegs waren und der Bus mit einem Moped kollidierte. Der Mopedfahrer war tot. Der Busfahrer sprang aus dem Bus und auf die Ladefläche des nächsten entgegenkommenden Fahrzeuges. Würde er vor Ort bleiben, bestünde die Gefahr, dass er von den Familienangehörigen des Opfers gelyncht würde. Die Passagiere mussten eine Stunde warten, bis ein Ersatzfahrer zur Stelle war und die Fahrt fortsetzte.

Dennoch  wurde schon Einiges zur Verbesserung der Verkehrssicherheit unternommen:

– Helmtrag- und Rückspiegelpflicht. Solange diese kontrolliert werden, greift es ein wenig, aber die meisten Khmer haben nicht genug Geld um einen Helm zu kaufen (was ich schon für Helme ausgegeben habe…) und machen einen Schwenker um den Polizisten herum, der sie anhalten will.  Ganz anders in Vietnam: Da sieht man kaum noch jemand ohne Helm fahren – (dort müssen auch Beifahrer und Kinder Helme tragen), denn Vietnam hat eine ganz eigene Helmkultur: Die Helme sehen aus wie Schirmmützen (Dächlichappe), in allen Farben und Bemalungen. ABER ich frage mich, wie gut ihr entsprechender Schutz ist.

– Tempokontrollen: Plötzlich brauchte mein Taxifahrer 3 anstatt 2¼ h von Kampot nach Phnom Penh: Es wurden Tempokontrollen durchgeführt – offenbar mit guter Ausrüstung der Polizei: Einer trug eine portable Geschwindigkeitskamera und meldete den Sünder einem Kollegen weiter vorne. Doch nach zwei Wochen war der “Spuk” vorbei und nun wird wieder gerast.

– In Phnom Penh wurden einige Anläufe zur Verkehrserziehung gemacht, indem junge Leute an ein paar aufeinanderfolgenden Tagen an grossen Strassenkreuzungen die Motorradfahrer anhielten, VOR dem Fussgängerstreifen anzuhalten und nicht auf ihm oder schon fast auf der Kreuzung stehend. Zudem wurde gleichzeitig der Respekt vor dem Rotlicht durchgesetzt. Das hatte eine etwas länger anhaltende Wirkung.
Insgesamt verflacht jedoch alles wieder, was nicht ständig erneut kontrolliert und anerzogen wird.“

Susanne Ryffel, Kambodscha (via email)

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